6 Monate Günther – Rückblick auf ein halbes Jahr Schlauchmagen und was kommt noch?

Seit dem 8. Oktober 2014 habe ich meinen Schlauchmagen Günther und es wird von Tag zu Tag besser mit ihm. Wir vertragen uns und das Leben ist wieder lebens- und liebenswert geworden.

Natürlich hatte ich viele Zweifel und Ängste vor dieser Operation, doch in Anbetracht der Tatsache, dass ich auch nicht mehr auf Erden hätte sein können, war der Schritt sich unter das Messer zu legen, die beste Entscheidung, die ich getroffen haben.

Im letzten halben Jahr hat sich viel getan und mit jeder Woche, an der ich mich gewogen habe und das Gewicht kontinuierlich gesunken ist, wuchs die Lebensfreude. Schade ist, dass ich die Veränderung noch nicht so krass wahrnehme, wie es mir Außenstehende berichte. Dies ist wohl ein vollkommen normaler Gang des eigenen Kopfes. Wieso, weshalb und warum? Egal, denn ich merke es an meiner Fitness und vor allem an der immer größer werdenden Kleidung.

Dieses Jahr im Sommer werden die Mädels im Schwimmbad mal wieder größere Brüste haben als ich. 😉 Die schönsten hat sowieso die LIebste, da kommt eh keine andere ran.

Kein so tragischer Verlust und außerdem gibt es so viele Dinge, die jetzt schon wieder funktionieren. Es sind an für sich Banalitäten, die einem aber die Lebensqualität senken und von vielen Menschen gar nicht realisiert werden, da sie – zum Glück – diese Probleme nie hatten. Normale Dinge sind nicht mehr möglich gewesen. Letztes Jahr habe ich noch einen Antrag gestellt auf eine Gurtbefreiung gemäß § 21a Straßenverkehrsordnung (StVO), da mir der Gurt in vielen Kraftfahrzeugen nicht mehr passte. Jedes Mal, wenn mich die lokale Polizei angehalten hat, war dies ein Thema. Wer ohne Gurt fährt und keine Befreiung hat, der ist nicht versichert! Mit solch einer Befreiung zahlt die Versicherung auch bei einem Unfall und die Polizei kann einem keine Strafe austeilen. Dieses Thema ist also auch endlich erledigt. Nun ist es nämlich so, dass ich den Sitz wieder nach oben pumpen muss und viel Platz im Gurt habe. 🙂

Habt ihr euch mal Gedanken gemacht über öffentliche Toiletten? Also solche Dinger wie Sanifair an Raststätten, die Toiletten in Cafés, Bars oder den großen Burger-Ketten? Alles wieder möglich, wenn es keine Sonderbauten sind und man kann die Behindertentoilette denen überlassen, die sie wirklich brauchen. Okay als ich im Februar in Hamburg in der o² World war, musste ich mich auch auf die Behindertentoiletten schmuggeln, da die Kabinen einfach zu schmal gebaut sind. Flugzeug und Zug konnte ich bisher nicht testen, habe ich auch nicht so schnell vor. 😉 Fun Fact: Man spart sich nach so einer Operation ganz viel Toilettenpapier. 😉

Ernährung

Läuft sage ich mal. Die Mengen sind weiterhin überschaubar klein, die Qualität steigert sich stetig, mir fehlt aber noch immer die Lust am alleine Kochen. Naja alles was in die Pfanne passt, wird dann halt gebraten. 😉 Laut Ernährungsberatung soll ich mehr komplexe Kohlenhydrate essen, Vollkornreis und -nudeln machen mich zwar kurz satt, aber irgendwie will ich dann mehr. Diesbezüglich bin ich dabei, mir mehr Gedanken zu machen und das Optimum zu essen, was der kleine Magen zulässt. Natürlich gibt es auch mal Dinge aus dem alten Leben, aber die Mengen sind nicht vergleichbar und man muss ja auch kein Gras fressen.

Sport

Christian nach dem Sport bei CATO Health & Sports Company Juni 2013

Archivfoto Juni 2013

Mache ich seit März zirka 3-4 x die Woche. Liebe ich überhaupt nicht und dies beruht wohl auf Gegenseitigkeit denke ich. Ja, ich quäle mich Tag ein, Tag aus zum Sport. Ich sehe es aber als meine Pflicht und Arbeit an, dies zu tun, denn ich will mein Ziel erreichen.

Viele schütteln mit dem Kopf, warum ich denn 45-60 Minuten auf diesem komischen Cardiorad sitze und strampel. Warum?! Weil es etwas ist, was mir halbwegs „Spaß“ macht und ich auch Erfolge sehe. Ich brauche für einen Kilometer aktuell knapp 3 Minuten und habe so Zahlen im Auge, die mir helfen. Statistikjunkie und runtastic-Nerd würde ich sagen. Es motiviert mich und muss auch nicht verstanden werden. Mein selbst gesetztes Ziel ist es, die Strecke nach Lindau zu schaffen in einem Monat. Warum? Bock drauf und es sind 600 Kilometer. Nach aktuellem Stand sind das gut 30 Stunden Rad. Sollte im machbaren Bereich liegen.

Seit diesem Monat heißt es dann auch Krafttraining. Aktuell habe ich mich mit Ronny darauf geeinigt, dass ich keinen Bock habe und er mich in Ruhe lassen soll. 😉 Nein Spaß beiseite, er hat mir ein kleines Programm geschustert, primär erst einmal auf den Oberkörper fixiert. Die Übungen werden dann nach und nach erweitert und auf die großen Muskelgruppen abgestimmt.

„Durch die Verbesserung der inter- und intramuskulären Koordination ist der Körper außerdem dazu in der Lage, sich effizienter zu bewegen. Trainierte Muskeln arbeiten ökonomischer.“ fitforfun.de

Aktuell sieht mein Trainingsplan so aus:

  • 30 Minuten Cardio
  • Krafttraining 3 x 15-20 Wiederholungen
    • Brust / Butterfly 30 35 kg
    • Rücken / Rudern 15,5 40 kg
    • Trizeps 21 30 kg
    • Bizeps 6 7,5 kg
    • seitliche Brustmuskeln 10 kg
  • 30 Minuten Cardio

Gewicht

  • Aktuelles Gewicht: 172,6 kg
  • Veränderung zur Vorwoche: -0,70 kg
  • Gesamtabnahme: -59,4 kg (50 %)
  • BMI: 55,7 (-19,2)

Christian (33)

Optische Entwicklung August 2014 – April 2015

Was wird die Zukunft bringen?

Besprechung im HEH Herzogin Elisabeth Hospital mit Dr. med. Hinrich Köhler

Besprechung mit Dr. med. Hinrich Köhler

Nach dem kurzen Gespräch mit ihr, durfte ich meinen Chirurgen Dr. med. Köhler wiedersehen und besprach mit ihm das erste halbe Jahr und wie es weiter gehen kann nach meiner Schlauchmagenoperation.

Nach seiner Aussage ist es bei einer Schlauchmagenoperation normal, dass man im Schnitt 15 BMI Punkte verliert. Ich stehe nach einem halben Jahr bei -19,2 BMI Punkten und die Abnehmkurve wird nun etwas kleiner werden. Bei einem Startgewicht von 232 Kilo und einem BMI von war es notwendig die Operation in zwei Phasen anzugehen. Zuerst wurde also der Schlauchmagen gebildet und in den nächsten sechs Monaten wird sich zeigen, wohin der Weg geht.

Es gibt drei klare Optionen, wie es nun in der Zukunft weitergeht.

Option A: Ich nehme durch Sport und Ernährung so viel weite ab, dass es nicht mehr notwendig ist den Schlauchmagen in einen Bypass umzubauen. Erfordert viel Eier, Hilfe und Überwindung. Man steht nämlich genau dort, wo man auch vor der OP stand, denn das Hilfsmittel Schlauchmagen wird auch wieder wachsen. Es muss also zwangsläufig eine Hilfe her, die die alten Muster aus dem Kopf streicht. Diesbezüglich stehe ich mit der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in der Medizinischen Hochschule Hannover in Kontakt und habe dort Ende Mai ein Erstgespräch. Hier in der Region ist es sehr schwierig ohne einen Aufenthalt in einer Klinik wie Königslutter, Liebenburg oder Blankenburg auch nur an einen Termin zu kommen, wenn man nicht gerade davor steht, sich umbringen zu wollen. Geht es unserer Gesellschaft wirklich so schlecht? :-

Option B + C: Es gibt viele verschiedene Wege den Schlauchmagen in einen Bypass umzubauen und es wurden zwei thematisiert. Von Anfang an war klar, dass es mit dem Schlauchmagen Erfolge geben wird, es aber nicht unbedingt reichen wird, um Endgewicht zu erreichen bei diesem Startgewicht.

Die Zwei-Wege-Operation ist gängige Praxis und primär wurde von einem Banded Roux-en-Y Gastric-Bypass (LBRYGB) geredet, wo der Magenbeutel dann 15-25 ml misst und die Verbindung zwischen dem Magenbeutel und dem Darm mit einem Silikonring reguliert wird. „Das Verfahren schränkt die Nahrungsaufnahme und die Aufnahme von Nährstoffen ein. Die Aufnahme der Nährstoffe wird durch Überbrückung von Teilen des Darms, die nicht mehr an der Verdauung beteiligt sind, reduziert.“ Alternativ gibt es einen konventionellen Roux-en-Y Gastric Bypass (LCRYGB ohne Ring.

Ideale Lösung wäre natürlich Option A, doch dies wird ein harter Weg. Ich habe nun genug Zeit mich zu entscheiden und habe meine Zukunft selbst in der Hand.

Danke an alle Beteiligten für die Unterstützung!

Geschrieben von | 2017-08-27T06:19:57+00:00 16. April 2015|Tags: , , |

Über den Autor:

Mahlzeit, ich bin Christian, wurde im Orwell Jahr 1984 geboren und bin Initiator von aktion100, sowie das "Dokumentationsobjekt", um das es auf dieser Seite geht. Ich nehme euch mit auf meiner Reise vom 232 kg morbide adipösen Mann im Kampf um Normalgewicht. Mir ist ein offener und ehrlicher Umgang auf diesem Weg sehr wichtig und ich mag anderen eine Hilfe sein.

2 Kommentare

  1. Püppi 16. April 2015 um 18:27 Uhr - Antworten

    Danke für das Kompliment 😉 :*
    Ich bin sehr stolz auf dich, mein Schatz! Du hast ganz Großes geleistet und du wirst noch mehr schaffen. Ich bin für dich da <3

  2. Alex 18. März 2017 um 21:41 Uhr - Antworten

    Vielen Dankfür diesen tollen Bericht und ich bin neugierig, wie es weitergegangen ist. Gibt es irgendwann ein Update? ich wünsche auf jeden Fall alles alles Gute!

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